Schnellnavigation

Bitte wählen Sie einen Inhaltsbereich:

Inhaltsbereich | Hauptnavigation | Hilfe | Schnellsuche |

Hilfe


Sie können unsere Hauptrubriken über folgende Tastenkürzel erreichen:

Folgende Zusatzfunktionen stehen Ihnen zur Verfügung:

Hauptnavigation

Inhalte

Ein Stadtrundgang

Vorwort

Der Detmolder historische Stadtkern, von beiden Weltkriegen weitgehend verschont, ist in seinem Erscheinungsbild durch drei historische Epochen geprägt:

  • durch das späte Mittelalter mit dem nach dem Stadtbrand von 1547 lebhaft einsetzendem bürgerlichen Fachwerkbau (Giebel- und Traufenhäuser), der in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts mit der sogen. Weserrenaissance seinen Höhepunkt erreichte und sich in seinen bescheidenen Ausläufern bis in das frühe 19. Jahrhundert fortsetzte,

Krumme Straße um 1900

  • durch den spätklassizistischen Putzbau der Biedermeierzeit (1830-­1860), der Bürgerbauten und öffentliche Bauten erfaßte, mit einem Höhepunkt im Jahrzehnt 1830-­1840 und mit Nachzüglern bis in die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts

  • und durch den historischen Wohnungs- und Geschäftshausbau der sogenannte Gründerzeit seit etwa 1875 und bis weit über die Jahrhundertwende hinaus.

In dem aus der alten sächsischen Siedlung Thiotmalle (Thingstätte)entstandenen Ort legten die Edlen Grafen und Herren zur Lippe, die einst weitab am Unterlauf des Lippeflusses beheimatet waren, eine Burg an. Graf Bernhard III. gründete vor 1265 den Ort neu als Stadt und gab ihm Lippstädter Stadtrecht. Graf Simon V (1511 bis 1536) machte die Stadt zu seiner festen Residenz. Bis 1918 blieb Detmold Regierungssitz der Grafen (seit 1789 Fürsten) zur Lippe. Dann wurde die Stadt Landeshauptstadt des Freistaates Lippe und, nach dem Anschluß Lippes an das Bundesland Nordrhein-Westfalen, Standort der Bezirksregierung Detmold.

Seit dem Mittelalter lag die kleine Residenz im Schatten der herrschaftlichen Burg und nahe der ersten Pfarrkirche. Burg und Stadt waren durch Mauern, Wälle und Gräben geschützt.

Die Einwohner der Stadt waren bis in das 19. Jahrhundert meist Ackerbürger mit Handwerkerberuf und Viehhaltung (Ziegen, Schweine, Kühe); Weidegebiet (städtische Hude) für die Kuhherde der Bürger war das ausgedehnte "Bruch" im Westen der Stadt. Die Fachwerkhäuser dieser Tradition waren Ständerbauten mit Mittel- oder Seitendiele und, je nach Wohlstand, mit mehr oder weniger reicher ornamentaler farbiger Balkenschnitzerei an Ständern, Balkenköpfen, Schwellbalken und Brüstungshölzern. Viele Häuser besaßen an der Straßenfront erkerartige "Ausluchten" ("Utluchten"), im Hinterhaus einen "Saalbau" aus Fachwerk über steinernem Kellergeschoß sowie Stallung und Scheune im Hof oder auch ein Gärtchen. Im 18. Jahrhundert wurde es Brauch, die Fassaden der Fachwerkhäuser mit ihren Giebeln gegen Witterungsschäden zu verschiefern. Noch später, insbesondere um 1875 anläßlich der festlichen Einweihung des Hermannsdenkmals, wurden zahlreiche Fachwerkhäuser verputzt oder verkleidet, diesmal aus repräsentativen Gründen, weil man Fachwerk mit ärmlich oder bäuerlich gleichsetzte.

Träger der klassizistischen Bauphase waren ­ außer dem Fürstenhaus und der Stadtobrigkeit ­ im wesentlichen die Beamtenschaft und wohlhabende Kaufleute, die andere Wohnansprüche stellten als die Ackerbürger. Die Bauten dieser Epoche

bilden in ihrer Schlichtheit und mit ihren wohlproportionierten Fassaden einen deutlichen Kontrast zu den heute romantisch erscheinenden Fachwerkhäusern. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs der Gründerzeit wurden zahlreiche alte Häuser durch Neubauten ersetzt oder durch Ladeneinbauten verändert, oft nicht zum Vorteil des historischen Stadtbildes, das durch Schaufassaden im Stile der Neurenaissance und des Barocks, gelegentlich auch des Jugendstils, neue Akzente erhielt.

Seit Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts werden aufgrund denkmalpflegerischer Erkenntnisse die historischen Fassaden sorgfältig restauriert und verunstaltete Schaufensterzonen gestalterisch verbessert. Fassadenwettbewerbe und Ausstellungen appellierten über viele Jahre an die Bereitschaft der Hauseigentümer zur Mitarbeit bei der Gestaltung älterer und neuerer Häuser.

Renovierung des Hauses "Lange Str. 49"

Darüber hinaus weckt die Stadt durch Bereitstellung von städtischen Förderungsmitteln Privatinitiativen zur Renovierung erhaltenswerter Häuser im Sinne der seit Herbst 1974 rechtsgültigen und 1986 geänderten Gestaltungssatzung. Im Bundeswettbewerb "Stadtgestaltung und Denkmalschutz im Städtebau" (1979) erhielt die Stadt Detmold ­ zusammen mit Bamberg und Landshut ­ eine der für die Größenordnung der Städte 50000 bis zu 100000 Einwohnern verliehenen drei Goldplaketten für hervorragende Leistungen. Die neuen Stadterhaltungsziele wurden dargelegt im städtebaulichen "Rahmenplan Stadtkern" von 1977, der 1993 im Sinne der neuen Innenstadt-Entwicklungsziele fortgeschrieben wurde. Eine Erhaltungssatzung schützt darüber hinaus seit April 1981 erhaltenswerte Bausubstanz durch Genehmigungsvorbehalt für Änderungsvorhaben grundsätzlich vor Abbruch und Verunstaltung. Seit März 1990 gehört die Stadt Detmold der Arbeitsgemeinschaft "Historische Stadtkerne in Nordrhein-Westfalen" an. Die mit dem Beitritt verbundenen Vorteile einer bevorzugten Landesförderung von Stadterneuerungsmaßnahmen und einer werbewirksamen, landesweiten Hervorhebung der jeweiligen Städte sind verknüpft mit der städtischen Anerkennung der Zielsetzung, das städtebauliche und kulturgeschichtliche Erbe im Stadtkern für künftige Generationen zu bewahren. So sind z. B. alle denkmalswerten Gebäude in diesem Bereich beschleunigt unter Schutz zu stellen, auf Nachverdichtung ist zu verzichten, bei Neubauten auf den historischen Maßstab und die Bautradition zu achten, alle Möglichkeiten der Verkehrsberuhigung sind zu nutzen und insbesondere die Bürger und Bürgerinnen ausreichend zu beteiligen. Im historischen Stadtkern befinden sich etwa 350 Baudenkmäler, davon wurden seit 1980, nach Inkrafttreten des Denkmalschutzgesetzes NRW, bisher (1998) der überwiegende Teil geschützt, d. h. in die Dankmalliste der Stadt eingetragen.

Die Erhaltung und denkmalgerechte Pflege der historischen Bausubstanz wird erleichtert durch verschiedene Förderungsmöglichkeiten, die Land und Stadt bereithalten, sowie bei Denkmälern durch Steuervergünstigungen (Auskunft und Beratung bei der unteren Denkmalbehörde der Stadt).

Die Umsetzung dieser Ziele bedeutet einen Gewinn für das Image der Stadt als attraktive Wohn-, Kultur- und Einkaufsstadt sowie lohnenswertes Ziel für Städtereisen.

>>>zur nächsten Seite>>>