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Aktive Partnerstädte im erweiterten Europa

Vom 25.-29. Mai 2005 fand in Detmold erstmals eine europäische Konferenz mit Besuchern  aus allen Partnerstädten gemeinsam statt. 65 Gäste aus Saint-Omer (Frankreich), Hasselt (Belgien), Savonlinna (Finnland), Zeitz (Deutschland) und Kaunas (Litauen) ebenso wie Detmolder Teilnehmer nahmen am Fest der Städtepartnerschaften teil.

Finanziell gefördert wurden die Aktivitäten rund um den Europatag von der Europäischen Kommission aus dem Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“.

Die Gäste aus den Partnerstädten und die Detmolder Bürgerschaft diskutierten mit Fachleuten Themen aus den Bereichen Sport, Bildung, Arbeit, Kultur, Tourismus und Integration in neun verschiedenen Workshops.
 

Workshop 1: Erziehung durch Sport in den Partnerstädten

24 Teilnehmer hatten sich am Donnerstag, den 26. Mai, zusammengefunden um über das Thema „Erziehung durch Sport in den Partnerstädten“ Erfahrungen auszutauschen.
Von Anfang an herrschte eine offene, lebendige und herzliche Atmosphäre, die sich durch den gesamten Workshop zog. Geleitet wurde dieser Workshop von Frau Herrmann, der Geschäftsführerin des Sportverbandes Detmold e.V. Alle waren sich einig, dass Sport verbindet und weiterhin gemeinsame Projekte zum Thema „Sport“ durchgeführt werden sollen. So entstand die Idee ein gemeinsames Projekt für Übungsleiter/innen und Trainer/innen durchzuführen, in dem diese gemeinsam Richtlinien und Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Sport-Erziehungsarbeit festlegen können.
 

Workshop 2: Eingliederung Behinderter in die Gesellschaft „Elisabeth-Hotel“ Detmold

Unter starker Beteiligung auswärtiger und Detmolder Teilnehmer informierte die Hotelmanagerin, Frau Lang, über die Entwicklung des Elisabethhotels, das aufgrund einer Elterninitiative ins Leben gerufen worden ist. In dem Hotel sind für sieben behinderte Jugendliche Arbeitsplätze geschaffen worden. Sie erlernen alle anfallenden Arbeiten, um wechselweise in der Küche, im Service oder im Zimmerservice eingesetzt zu werden. Das Hotel ist zu ca. 77 % ausgelastet und hat gute Aussichten, nach dem Wegfall der Zuschüsse der Arbeitsagentur nach zwei Jahren, sich selber tragen zu können.

Die Teilnehmer aus Hasselt, Saint Omer und Kaunas hatten großes Interesse am Angebot des Vorsitzenden des Behindertenbeirates der Stadt Detmold, die Einrichtungen der Lebenshilfe und des Blindenwerkes einmal zu besuchen und dann weitere Aktivitäten zu vereinbaren.
 

Workshop 3: „Der multioptionale Gast – nur ein deutsches Phänomen?“

An dieser Veranstaltung für den Informationsaustausch über Kultur und Tourismus in den Partnerstädten nahmen Vertreter aus Kaunas, Savonlinna, Hasselt, Saint Omer und Detmold teil. Es bestand ein starkes Interesse, Detmold als touristischen Ort kennen zu lernen.
Man kam zu dem Schluss, dass der Gast von heute eine einfach und kurzfristig buchbare und komfortabel organisierte Dienstleistungskette erwartet. Dazu gehören gute und leicht zu erreichende Informationen, intensive Betreuung und Beratung und trotzdem ein Urlaubsziel, das ihm viele Möglichkeiten lässt. Die fünf Partnerstädte sind unterschiedlich strukturiert und zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten im Tourismus tätig geworden, aber Tourismus wurde als Wirtschaftsfaktor in allen Partnerstädten erkannt. Jede Stadt setzt dabei andere Schwerpunkte, grundsätzlich gilt jedoch, dass der Kulturtourismus ein wichtiges Segment ist, das jedoch für alle Städte noch Ausbaupotential besitzt. Die „ideale“ Organisationsform der touristischen Stelle wurde nirgendwo gefunden.
 

Workshop 5: Berühmte Dichter aus den Partnerstädten (Grabbe-Haus)

20 Teilnehmer aus sämtlichen Partnerstädten nahmen an diesem Workshop teil, den Dr. Peter Schütze, Präsident der Grabbe-Gesellschaft, moderierte. Jaana Muhonen (Savonlinna), Lieve Pollet (Hasselt), Roland Rittig (Zeitz), Kristina Kulikauskaite (Kaunas) und Dr. Schütze (Detmold) stellten je einen Dichter mit seinem Werk aus ihrer Stadt vor. „Europa entdecken“ – der Ansatz, Literatur als Gegenstand städtepartnerschaftlicher Beziehungen zu gestalten, hat sich im Workshop bestens bewährt. Es lohnt, die Städtepartnerschaften hierdurch weiter auszubauen und Europa national grenzübergreifend zu erleben.
 

Workshop 6: Theorie und Praxis städtepartnerschaftlicher Arbeit - Städte und Bürger im erweiterten Europa - gemeinsam Europa gestalten

Mit über 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stieß dieser von Bürgermeister Rainer Heller moderierte und gestaltete Workshop auf großes Interesse. Nach einer Powerpoint-Präsentation wurden aus dem Forum Vorschläge zu Partnerschaftsaktivitäten in den Bereichen Kinder/Jugend/Familie/Bildung, Ausbildung und Arbeitsplätze, Innenstadtentwicklung, Kultur/Marketing, Bürger/Kunden und Verwaltungsleistung gemacht.

Die bisherigen Aktivitäten sollten ergänzt werden um: Senioren als Ausbildungshelfer, Familienbegegnungen mit Kinderbetreuung, Austausch von Auszubildenden und Studierenden, Vernetzung von Weiterbildungseinrichtungen, Gemeinsame Sprachangebote, Austausch von Sprachtrainern, Vorteile der Beziehungen vermarkten, Internetportal für Jugendliche, trinationales Theaterprojekt mit Savonlinna, Kaunas, Detmold.
  

Workshop 7: Die Entwicklung der lokalen Wirtschaft in den Partnerstädten

Etwa 40 Interessierte fanden sich bei strahlendem Sonnensschein an der Brauerei Strate ein, um sich von Renate Strate und Mitarbeitern der Privatbrauerei über das Bierbrauen und Vermarkten dieser traditionellen lippischen Privatbrauerei in Detmold zu informieren. Muriel Volle, Beschäftigte bei der Brasserie Saint Omer, stellte das Verfahren einer Großbrauerei, die für Aldi und Lidl europaweit Bier produziert, dar.
Alle Gäste und Detmolder, die zum ersten Mal die Gelegenheit hatten, die Strate Brauerei zu besuchen und sich über das Bierbrauen zu informieren, waren von den Erläuterungen und von der wunderschönen Anlage der Gebäude und des Gartens beeindruckt.
  

Workshop 8: Verbindung von Schulsport und Leistungssport

Im Mittelpunkt dieses Workshops stand ein Kurzreferat über das Landesprogramm "Talentsuche und Talentförderung" des Landes Nordrhein-Westfalen, das in Deutschland als ein besonders erfolgreiches Modell zur Förderung von jugendlichen Leistungssportlerinnen und -sportlern in Zusammenarbeit von Schule und Verein/Verband gilt. Zur Veranschaulichung diente dabei die Förderpraxis am Christian-Dietrich-Grabbe-Gymnasium. In der sich anschließenden Diskussion zeigte sich, dass in allen Partnerstädten nach Wegen gesucht wird, wie man aus schulischer Sicht sportlich talentierten Kindern und Jugendlichen bei der Bewältigung ihrer doppelten Belastung helfen kann. Als erfreulich ist dabei anzusehen, dass neben der inzwischen gegründeten Sportpartnerschaft mit der Saloméjos Néries Schule in Kaunas auch Wünsche einer intensiveren Zusammenarbeit mit Schulen/Vereinen aus Saint Omer, Hasselt (Patrick Gilissen und Leo Spejer) und Zeitz geäußert wurden.
  

Workshop 9: Vergleich der beruflichen Ausbildungssysteme und der Arbeitsmarktsituation

Der Workshop begann mit einem Überblick über die Schulsysteme und die Möglichkeiten beruflicher Ausbildung in den Partnerstädten. Die Moderation übernahm Tobias Forth, Pädagoge beim ESTA-Bildungswerk e.V. In einem regen Informationsaustausch fanden insbesondere die Ausführungen der finnischen Delegation wegen des guten Abschneidens Finnlands im Rahmen der Pisa-Studie besondere Aufmerksamkeit.
Bei der anschließenden Darstellung der Systeme beruflicher Ausbildung zeigte sich eine Sonderrolle des deutschen Modells der dualen Ausbildung, das in dieser Form in keinem anderen europäischen Land existiert. Die Teilnehmer diskutierten Vor- und Nachteile des Systems der schulgebundenen und der dualen Ausbildung, wobei zahlreiche Teilnehmer dem dualen System den Vorzug gaben. Besonderes Interesse fand in diesem Zusammenhang die früh beginnende und Schulzeitbegleitende Berufsorientierung in Finnland.
Abschließend erläuterte der Referent Möglichkeiten zur länderübergreifenden Aus- und Weiterbildung und regte die Bildung eines Netzwerkes an.
   

Markt der Partnerstädte

Der Samstag, 28.Mai, begann mit der Präsentation heimischer Produkte und Informationen aus den Partnerstädten. Bei strahlendem Sonnenschein wurden von der Deutsch-Französischen-Gesellschaft, der Deutsch-Finnischen-Gesellschaft, dem Partnerschaftsverein Detmold-Zeitz e.V, dem Partnerschaftsverein Detmold - Hasselt e.V., der Europa-Union Lippe, der Deutsch-Italienischen-Gesellschaft und der Esperanto-Gruppe Stände aufgebaut und die jeweiligen heimischen Produkte und Informationen den Detmolder Bürgerinnen und Bürgern während des Samstäglichen Wochenmarktes näher gebracht.

  

Vortrag „Die europäische Verfassung“ - Dr. Klaus Hänsch

Zum Vortrag „Die europäische Verfassung“ von Dr. Klaus Hänsch, dem Vizepräsidenten des Europaparlaments, waren über 100 Zuhörer gekommen. Damit auch alle Besucher den Vortrag genau verfolgen und an der folgenden Diskussion teilnehmen konnten, wurden von der Stadt Detmold extra zwei Dolmetscherkabinen für eine Simultanübersetzung angemietet worden.

  
Der Abschlussabend der Europatage wurde gekrönt von einem Konzert mit Ulrike Wahren und Band im Sommertheater, die ein Programm mit französischen und internationalen Liedern boten.
  

Durch die vielen Veranstaltungen erhielten die Teilnehmer aus fünf EU-Ländern erstmals die Möglichkeit, sich persönlich kennen zu lernen und ihre Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen der Partnerschaftsarbeit darzulegen und im europäischen Kontext zu betrachten. Dadurch sind viele Kontakte geknüpft worden und gemeinsame, aber auch trilaterale Begegnungen, wie ein Theaterprojekt mit Kaunas, Savonlinna und Detmold, Besuche von Behinderteneinrichtungen, Sportleitertreffen, Familienbegegnungen in den Partnerstädten sind nur einige der geplanten neuen Aktivitäten.

Neben begeisterten Stimmen aus Detmold gab es auch Lob aus den beteiligten Partnerstädten und Gesellschaften.

„Unsere Delegation ist mit einem besonders guten Gefühl wieder nach Hasselt gefahren. Es war für alle Teilnehmer ein Erlebnis. Das internationale Gefühl war immer spürbar, “ schrieb Zygmund Krzywania und drückte das Gefühl aus, das auch andere Teilnehmer dieser Konferenz spürten. „Die Veranstaltung war für mich ein schönes Erlebnis, es ist sehr interessant, die internationale Zusammenarbeit zu beobachten und aktiv mitzuwirken. So hat man die Chance, die Präsentation des eigenen Landes im Ausland mal unter einem anderen Blickwinkel zu betrachten.“
 
Andreas J. G. Mickel von der Deutsch-Italienischen Gesellschaft / Lippe-Detmold e.V. schrieb:
„Bei den Organisatoren der Veranstaltung, und gerade bei Ihnen liebe Frau Thomale-Friesenhan, möchten wir uns deshalb besonders bedanken und hoffen, dass es noch viele Wiederholungen solch schöner Partnerschaftsfeste geben wird, die letzten europäischen Entwicklungen zeigen auch, dass hierzu einen echten Bedarf gibt!  Europa will und muss auch durch den Bürger gelebt werden.....................
In diesem Sinne, grazie, tanti saluti e alla prossima volta!“

Alles in allem waren die ersten Detmolder Europatage ein voller Erfolg, so dass diese Veranstaltung im folgenden Jahr auf jeden Fall wieder stattfinden soll.

  
  
  
  

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung (Mitteilung) trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.