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Stoll, Andrea:
Der kalte Himmel
Goldmann
ISBN: 978-3-442-31282-5
Ein kleines Dorf im tiefsten Bayern gegen Ende der sechziger Jahre. Hier lebt die Hopfenbäuerin Marie mit ihrer Familie. Dass ihr Sohn etwas Besonderes ist, ahnt sie schon lange. Er meidet den direkten Blickkontakt, von Geburt an, legt keinen Wert auf körperliche Nähe und kommt mit anderen Kindern nicht zurecht. Lieber spielt er seine eigenen Spiele, in seiner ganz eigenen Welt. Das geht aber nur so lange gut, bis er eingeschult werden soll. Der Schularzt will Felix auf die Sonderschule schicken, weil er zurück geblieben sei. Doch Marie weiß, dass Felix nicht dumm ist. Er kann besser rechnen als sie. Sie kämpft für ihren Sohn, auch wenn sie sich dafür gegen das ganze Dorf stellen muss.
„Der kalte Himmel“ zeigt sehr deutlich, wie das Leben auf dem Dorf noch vor gar nicht langer Zeit aussah. Geprägt von verstaubten Grundsätzen, unflexibel und festgefahren in uralten Rollenmodellen. Wahrscheinlich findet man ähnliches noch heute in so manchem Dorf. Im krassen Gegensatz dazu wird das wilde Leben in Berlin 1968 gesetzt. Freiheit und Widerstand sind Marie bisher nie so begegnet wie hier. Die Zeit in der Großstadt verändert sie, lässt sie ihr Leben neu überdenken.
Autismus ist zu dieser Zeit eine kaum bekannte Krankheit. Kinder mit diesen Symptomen werden falsch diagnostiziert und erleiden grausame Fehlbehandlungen. Werden lieber still gestellt, als dass man versucht, einen Weg in ihre Welt zu finden. Marie kämpft mit einer Kraft um ihren Sohn, die nur eine Mutter aufbringen kann.
Ein in allen Facetten sehr berührender Roman, der ein eindrucksvolles Bild dieser Zeit malt. Ein Roman, den ich kaum aus der Hand legte, weil mich diese Zeit und ihre gelungene Darstellung fesselte. Wie nahe sich zwei vollkommen unterschiedliche Weltvorstellungen sein können. Und wie schwierig, sich plötzlich in einer gänzlich fremden Welt wieder zu finden. Sei es die Großstadt, oder die Welt eines autistischen Kindes.
Anganeta Richert
Standort: 1. OG / Romane Bewährte Unterhaltung Stoll


Bildbände zum Schmökern
Mauthe / Henningsen:
Europas wilde Wälder
Knesebeck, 2011
ISBN 978-3-86873-360-0
„Europas wilde Wälder“ ist ein wunderschöner Bildband, der im Auftrag von Greenpeace entstanden ist. Auf knapp 200 Seiten präsentiert das Autorenduo, sortiert nach Regionen, faszinierende Fotos von Europas Urwäldern – einigen letzten unberührten Fleckchen Natur. Die Bilder lassen den Eindruck entstehen, als wären Märchen Wirklichkeit – mit verwunschenen Wäldern, seltenen Tieren und Pflanzen.
Standort: Ufl 420 Euro – 2. Obergeschoss
Kostyal, K. M.:
Das große Wunder der Tierwanderungen
National Geographic Deutschland, 2010
ISBN 978-3-86690-192-6
Wenn tausende Tiere gleichzeitig unterwegs sind, entstehen eindrucksvolle Bilder, die manchmal wirklich wie ein Wimmelbild aussehen. Auf über 300 Seiten kann man Tiere auf der ganzen Welt, wie zum Beispiel Zebraherden oder riesige Fischschwärme, auf ihrer Reise begleiten und erfährt gleichzeitig, wie gefährlich diese Reise für die Tiere teilweise ist und wie sehr der Mensch dieses Naturschauspiel beeinflusst.
Standort: Uhm 2 gross – 2. Obergeschoss
Zwei wirklich gelungene Bildbände, die zum Träumen, Staunen und sich verzaubern lassen einladen.
Empfohlen von Susanne Schmidbauer

Spang, Markus:
„Schnitzeljagd: Ein Rätselbilderbuch“
Thienemann-Verl.
ISBN: 978-3-522-43669-4
Es ist ein Kinderbuch für Leute von 4 bis 99 Jahre.
Es gibt sie, diese Bilderbücher, die für jedes Alter geeignet sind.
Entweder ist die Geschichte so spannend, oder die Illustration begeistert große und kleine Kinder. Manchmal lernt die ganze Familie aus einer Bilderbuchgeschichte.
In dieser Geschichte geht es um ein Mädchen, das auf der Suche nach ihrem Hund „Schnitzel“ ist.
Klara wird liebevoll und mit Witz und Humor, mit Hilfe des Grafen Geo, der durch seine Beobachtungsgabe berühmt ist, an verschiedene Orte der Stadt geführt.
Graf Geo hat selbst entworfene Karten dabei, die helfen, den Bahnhof, den Zoo, das Museum und den Hafen der Stadt schnell zu finden.
Überall dort wird der Hund „Schnitzel“ gesucht. Aber so einfach ist es nicht, denn es gibt an den erwähnten Orten diverse Suchfragen zu erledigen um die Spur des Hundes nicht zu verlieren. Die Geschichte wird spannend, als ein Hundefänger sich detektivisch einmischt, um den Hund zu fangen und einzusperren.
Letztendlich wird der Hund dann gefunden, als in der Metzgerei der Name „Schnitzel“ gerufen wird und der Metzger es als eine Bestellung des Kunden verstanden hat. „Der Metzger rieb sich zufrieden die Hände und wandte sich zu Klara und Graf Geo. Schnitzel?“, sagte er. „Eine gute Wahl. Die sind heute im Angebot. Roh oder gebraten. Wie viele dürfen es denn sein?“
„Drei“, sagte Graf Geo und lachte. „Ein rohes für Klaras Hund namens Schnitzel. Und zwei Jägerschnitzel für uns Schnitzeljäger!“
So wird der Hund gefunden und zur Belohnung gibt es noch echte Schnitzel…
Die Geschichte ruft freudige Spannung und Erwartung auf was positives, lustiges. Ganz nebenbei lernen Kinder neue Wörter, wie zum Beispiel vom Grafen Geo vornehm ausgedrücktes: „Verbindlichsten Dank“.
Kinder sind dabei an der Geschichte aktiv beteiligt, bei der besagten Suche nach dem „Schnitzel“…
Witzig und humorvoll geschrieben, lehrreich und spannend zugleich.
Viel Vergnügen beim Lesen und Staunen,
wünscht Frieda Teichrieb
Standort: Kinderbücherei, Bilderbuch O-T

Anthony Horowitz:
Scorpia Rising (Ein Fall für Alex Rider)
Ravensburger
ISBN: 978-3-473-40063-8
Bei diesem spannenden Spionageroman handelt es sich um den neunten und leider letzten Fall des Jugendagenten Alex Rider vom MI6.
Alex Rider, mittlerweile 15 Jahre alt, kämpft ein weiteres Mal gegen die weltweite Verbrecherorganisation „Scorpia“. Wie schon in Band 5 „Scorpia“ hat Alex es erneut mit den bösen Machenschaften dieser Organisation zu tun. Eigentlich hatte er vorgehabt, dem MI6 endgültig den Rücken zu kehren und ein ganz normaler Schüler zu sein. Doch wieder einmal zwingt ihn ein beinahe geglücktes Attentat auf ihn, zu seiner Sicherheit zum MI6 zurückzukehren, die ihn jedoch gleich auf seine nächste, zunächst harmlos erscheinende Mission schicken: Einer internationalen Schule droht ein Anschlag. Zu spät erkennt Alex, wer da mit ihm Katz und Maus spielt. Denn Scorpia plant einen erneuten Versuch, sich für vergangene Niederlagen zu rächen. Und mit ihnen Julius Grief, Alex' böser Doppelgänger.
Auch im letzten Band bleibt Anthony Horowitz seinem Stil treu: Eine wenig realistische, aber spannend erzählte Handlung und überraschende Wendungen mit vielen Parallelen zu James Bond. Gerade richtig für einen spannenden Nachmittag auf dem Sofa, im Bett,... oder wo man auch sonst gerne dieses Buch verschlingen möchte.
Viel Spaß und Spannung beim Lesen
wünscht Katja Blume
Standort: 1. OG, Jugendromane, Krimi/Thriller 5.2 Krim Horo



Antonia Meiners:
Kluge Mädchen, oder wie wir wurden, wie wir nicht werden sollten
ISBN: 978-3-938045-56-5
Die Mädchen heute und die Mädchen vergangener Generationen – die Wünsche waren ähnlich! Die Chancen, diese zu verwirklichen, waren aber nicht immer die Gleichen. Die Gesellschaft bannte Mädchen und Frauen in ein enges Korsett. Ihre „Vorbestimmung“ zur Ehegattin, Hausfrau und Mutter ließen Wünsche und Begabungen in alle anderen Richtungen gleich im Keime ersticken. Viele fanden sich ab, einige begehrten auf. Hier kommen Sie zu Wort.
Standort: Dachgeschoss Gcq 1 Klug
Annegret Braun:
Frauen auf dem Land
ISBN: 978-3-938045-48-0
Als das Wort »Multitasking« noch nicht erfunden war, arbeiteten Frauen auf dem Land rund um die Uhr auf dem Feld, im Stall oder im Haus und bekamen noch ganz nebenbei eine Vielzahl an Kindern. Dass sie technischen Neuerungen angeblich skeptisch gegenüberstanden und deswegen den Männern lieber den Traktor überließen, ist eine Legende. Oft genug waren es die Frauen, die die Technik auf dem Hof einführten, sich in der ökologischen Landwirtschaft auskannten und agrarwissenschaftliche Forschungen betrieben. Die Autorin Annegret Braun erzählt vom Leben zwischen Melkschemel, Feldarbeit und Hühnerstall, von den beruflichen Perspektiven, den ersten Biobäuerinnen, von unerschrockenen Gutsbesitzerinnen, schreibenden Landfrauen und den selbstbewussten Bäuerinnen heute. Ein herrlich bebildertes Buch über Freude und Arbeit auf dem Land.
Standort: Dachgeschoss Edk Brau
Antonia Meiners:
Wir haben wieder aufgebaut. Frauen der Stunde Null erzählen
ISBN: 978-3-938045-54-1
Was haben Sie geleistet, die Frauen in der Nachkriegszeit. Sie haben in einem verwüsteten Land gelebt, die Wunden und Verluste des Krieges noch nicht verarbeitet und mussten sehen, wie Sie sich und Ihre Lieben durchbringen. Ein hartes Leben mit Trauer, Verzweiflung, Erschöpfung und doch auch immer wieder Hoffung auf eine bessere Zukunft. Mit viel Arbeit, Mut, Kreativität und zum Teil nicht immer ganz legal haben Sie ihr Bestes gegeben und Deutschland und die Zukunft wieder aufgebaut. Vom Aufbruch und Aufbau – Frauen erzählen von dieser schwierigen Zeit.
Standort: Dachgeschoss Emp 82 Wir
Weitere schöne Bücher aus dieser Reihe:
Frauen, die lesen, sind gefährlich und klug; Standort: Rel Frau
Frauen, die schreiben, leben gefährlich; Standort: Py Frau
Viel Spaß beim Lesen wünscht Susanne Brasch

Sabine Friedrichson ; Hans Christian Andersen: „Das Leben ist das schönste Märchen, denn darin kommen wir selber vor“
Beltz & Gelberg
3-407-79343-X
„Neulich abends, ich saß in meiner Stube, hatte das Bedürfnis nach Lektüre, hatte kein Buch, keine Zeitung, da fiel im selben Augenblick ein Blatt, frisch und grün, vom Lindenbaum. Der Luftzug trug es mir zum Fenster herein. Ich betrachtete die vielen verzweigten Adern; eine kleine Raupe bewegte sich darauf entlang, als wollte sie das Blatt gründlich studieren. Da musste ich an die menschliche Weisheit denken; wir kriechen auch auf dem Blatt herum, können nur dies, und dann halten wir sogleich einen Vortrag über den ganzen, großen Baum, die Wurzel, den Stamm und die Krone; den großen Baum: Gott, die Welt und die Unsterblichkeit, und wir kennen von dem ganzen nur ein kleines Blatt!“ (Tante Zahnweh)
So beginnt eine Biografie von Hans Christian Andersen.“ Es ist eine lange wunderbare Geschichte, wie Andersen berühmt wurde. Und das ist ihm, wie in einem Märchen, gelungen. Als Vierzehnjähriger, mit wenig Geld in der Tasche, kam er nach Kopenhagen und fand dort zu seinem Glück etliche Gönner, die sein künstlerisches Talent erkannten. Mit ihrer Hilfe gelang ihm der Sprung in die weite Welt. In seinen Briefen und Reiseberichten erzählt er von vielen Ländern und Menschen. Und er berichtet von Erfindungen, auch die Photographie fasziniert ihn. Er dichtete und schrieb Romane und Theaterstücke. Seine Scherenschnitte kann man heute noch bewundern. Durch seine Märchen aber ist er unsterblich geworden.“Das Buch ist eine Autobiografie und Sabine Friedrichson begleitet den Dichter auf seinen Lebensspuren, die er liebevoll und märchenhaft, so wie seine Kindheit, darstellt.
Es gibt sehr viele Kinderbücher, die die Erwachsenen in den Bann ziehen, weil die Themen in Kinderbüchern zeitlos und unvergänglich sind. Viele Menschen hatten eine schöne Kindheit oder aber sie haben Erinnerungen, die sie ihr ganzes Leben lang begleiten, ganz gleich welcher Natur sie sind - gut oder weniger gut. Hans Christian Andersen ist mit seinen Märchen in vielen Kinderzimmern heimisch geworden und so wie er als Kind träumte, empfahl er es auch Erwachsenen. In seiner Phantasie sprach fast jeder Vogel und jede Blume, er erinnert sich: „Ich war ein Dichter ohne es zu wissen.“ Und er war es schon als Kind. „Mit seinen Märchen hat er alle Welt beglückt.“
In der dunklen Jahreszeit sind Bilderbücher, gelesen in der Familie oder mit Freunden, eine wahre Freude. Sie erlauben uns für kurze Zeit zu vergessen, dass wir keine Kinder mehr sind, wohl wissend, dass es diese Welt der Phantasie und Träume gibt, nämlich in der phantasievollen Märchenwelt unserer Kinder.
Besonders in der Vorweihnachtszeit ist dieses Buch eine Fundgrube für Erwachsene und Kinder, poetisch, nostalgisch und beglückend zugleich…
Viel Freude beim Entdecken und Genießen.
Schöne Weihnachtszeit und ein märchenhaftes Neues Jahr wünscht Ihnen,
Frieda Teichrieb
Standort: Kinderbücherei, Sachkunde / Biografien

Alexander Steffensmeier:
Lieselotte macht Urlaub
Sauerländer Verlag
978-3-411-80818-2
Auch eine Kuh braucht ihren Urlaub, denkt sich Lieselotte und packt ihren Koffer. Um exotische Tiere zu treffen, ungewohnte Sachen zu essen und natürlich auch viele Fotos zu machen.
Glücklicherweise hapert es noch mit dem Bustransfer, denn so entdeckt Lieselotte ganz zufällig den perfekten Urlaubsort: die am heimischen Bauernhof angrenzende Nachbarswiese.
Wieso die Kuh aber ausgerechnet weg vom Hof Urlaub machen möchte und nicht zu Hause, wo es doch am allerschönsten ist, können Bäuerin und Bauernhofbewohner nicht verstehen. Und so kommt es über den Gartenzaun hinweg zu einem „Bester-Urlaubsort-Wettkampf“ zwischen Federball spielendem Federvieh gegen Trampolin trampelnde Milchkuh…
Lieselottes Urlaubsabenteuer kommen in wunderbar detailreichen, liebevollen und sehr witzigen Bildern daher. Einfach perfekt zum Vorlesen geeignet. Ab ca. 3-4 Jahren.
Empfohlen von Britta Grabbe
Standort: Kinderbücherei, Bilderbuch H-N

Hoffman, Beth
Die Frauen von Savannah
Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3-462-04286-3
Beth Hoffmann schrieb mit ihrem Debütroman eine anrührende Geschichte.
1967, die 12-jährige CeeCee lebt mit ihrer Mutter abseits von der Gesellschaft des kleinen Ortes in Ohio. Selbst der Vater wendet sich von der geistig verwirrten Mutter ab, die in einer Welt von Schönheitswettbewerben lebt und immer noch die Zwiebelkönigin von 1951 in Georgia ist. In Ballkleidern läuft sie durch den Ort und ist für die Realität kaum noch zugänglich.
Ihre Tochter ist stets bemüht, das auszugleichen und die Mutter zu versorgen. Isoliert von der restlichen Gesellschaft und ohne Freundinnen mausert sie sich zur Klassenbesten. Einzig die alte Nachbarin kümmert sich um sie.
Durch den plötzlichen Tod der Mutter kommt sie zu ihrer Großtante nach Savannah. Hier in der Wärme der Südstaaten und umgeben von liebevollen Menschen kann sie aufblühen und wieder Kind sein.
Ein wirklich schöner Roman, mit einer Geschichte, die zwar in den 1960ern Amerikas spielt, aber trotzdem aktuell ist.
Anganeta Richert
Standort: 1. OG / Romane, Bewährte Unterhaltung Hoff
Diesen Titel gibt es auch als Hörbuch - Standort: 1. OG, Hörbücher, H

Sven Nordqvist
Lisa wartet auf den Bus
Ellermann 2011
ISBN 978-37707-5368-0
Lisa und ihre Mutter wollen mit dem Bus in die Stadt fahren und dort in ein Puppentheater gehen.
An der Bushaltestelle wartet schon der dicke Herr Söderkvist und kurz darauf kommt die alte Agda mit ihrer Zither dazu. Weil der Bus noch nicht da ist, spielt sie ein "fröhliches, aber langweiliges Lied".
Kurz darauf stoßen noch die 2 Frauen Jenny und Hanna mit ihrem Papagei dazu. Da hat Lisa allerhand zu gucken und zu lachen, denn der Papagei plappert gerne. Richtig lustig wird es allerdings, als der etwas ältere Johan auftaucht. Zusammen haben sie viel Spaß. Sie blasen auf Grashalmen, lassen kleine Käfer auf ihren Fingern klettern und tollen in der bunten sommerlichen Wiese herum. Dass der Bus nicht kommt, macht gar nichts, man kann an der Haltestelle ja so viel erleben. Es ist fast schade, als das Warten schließlich ein Ende hat und der Bus auftaucht.
Sven Nordqvist erzählt eine kurze Alltagsepisode, in der gar nicht viel passiert, aber jede Menge los ist. Ein luftig-leichtes Alltagsabenteuer, welches ich unbedingt allen Eltern zum Vorlesen und gemeinsamen Bilderbuchbetrachten mit ihren kleinen Sonnenscheinen ans Herz legen möchte!
Viel Vergnügen wünscht Katja Blume
Standort: Erdgeschoss (Bilderbuch H-N)

Hinrich Lührsen
25 % auf alles ohne Stecker
rororo 2011
ISBN 978-3499-62711-8
Wir sind ihr tagtäglich ausgesetzt: Werbung.
Wundersame Wirkungen, fantastischen Nutzen und manchmal sogar bessere Gesundheit versprechen uns die Anbieter der vielen Produkte, die es im Angebot gibt. Um die Ware an den Kunden zu bringen kennt der Erfindungsgeist der Werber keine Grenzen.
Der Autor Hinrich Lührsen nimmt die Werbebranche und ihre Versprechungen beim Wort. Er testet die beworbenen Dienstleitungen und Produkte haarklein nach deren Wortlaut und erzählt uns unterhaltsam und witzig von seinen Erlebnissen.
Ein paar kleine Beispiele:
Kennen Sie die Werbung, in der die Fleischfachverkäuferin die Wurst bis aufs Gramm genau abwiegt? Bis auf die Scheibe genau, die sie der Tochter des Käufers als Geschenk gibt? Der Autor überprüft dies, indem er in diversen Einkaufsfilialen exakt 248 g Wurst bestellt. Und er gibt sich nur mit eben diesen 248 Gramm zufrieden. Kein „Darf’s ein bisschen mehr sein“. Genau 248 Gramm. Das ist fast unmöglich zu schaffen und so bringt er Verkäuferinnen, Marktleiter und Mitkunden an den Rand der Verzweiflung.
Im Saarland gibt es Wellness-Bier (soll durch Hopfen entspannen) in Apotheken. Der Autor unternimmt mit Freunden eine fröhliche Zech-Tour durch verschiedene Apotheken und scheut sich auch nicht, den Notfalldienst mehrfach in Anspruch zu nehmen.
Oder - Autowerbung, in der das Auto Treppen herunterfährt. Im normalen Leben birgt das so seine Tücken.
Oder - Haben Sie schon mal Ihre Schäfchen ins Trockene gebracht? Der Autor probiert es mit einer echten Schafsherde. Ob die Werbung das gemeint hat?
Oder - 25 % auf alles ohne Stecker. Bei einer Bohrmaschine schneidet der Autor den Stecker ab und stellt sich an die Kasse. Mal sehen, was passiert?!
So reiht sich eine skurrile Episode an die Andere.
Begleiten Sie den Autor auf eine peinlich-komische Überprüfungstour.
Eine Bitte hätte ich an Sie im Interesse aller Angestellten: Bitte – machen Sie es nicht nach!
Viel Vergnügen wünscht Susanne Brasch
Standort: Dachgeschoss (Hkm 3 Luehr)

Nicholls, David:
Zwei an einem Tag / One Day
Zürich: Kein & Aber, 2009.
ISBN 978-3-03-695542-1
Am 15. Juli 1988 lernen sich Dexter und Emma in Edinburgh auf ihrer Abschlussfeier kennen und verbringen die Nacht mit einander. Beide gerade zwanzig erzählen sich von ihren Träumen und Plänen für die Zukunft und versuchen sich vorzustellen, wie ihr Leben in zwanzig Jahren aussehen könnte. Dexter, ein Sohn reicher Eltern, möchte reisen und die Welt erkunden. Emma hingegen, die aus einer Arbeiterfamilie stammt, möchte sich politisch engagieren und durch Literatur und Kunst die Welt verändern. Der Leser begleitet die beiden Hauptcharaktere zwanzig Jahre lang und wird Zeuge ihrer beruflichen und privaten Werdegänge, wie zum Beispiel Dexters kometenhafter Aufstieg und späterer Fall beim Fernsehen oder Emmas gescheiterte Anfänge als Verfasserin politischer Theaterstücke über ihre Anstellung als Lehrerin bis hin zu ihrem Durchbruch als erfolgreiche Jugendbuchautorin. Während all dieser Jahre entwickelt sich zwischen den beiden eine enge Freundschaft, die jedoch während Dexters erfolgreichster Zeit beim Fernsehen, die durch massiven Drogen- und Alkoholmissbrauch geprägt ist, auf eine harte Probe gestellt wird.
Besonders reizvoll an diesem modernen Entwicklungsroman ist sein unkonventioneller Aufbau. Jedes Kapitel behandelt ausschließlich die Ereignisse des 15. Juli eines Jahres. Dadurch erlebt der Leser nur das, was an diesem einen Tag passiert und erfährt lediglich in kurzen Einschüben von den Geschehnissen des restlichen Jahres. Nicholls erzählt seine Geschichte auf eine Art und Weise, bei der der Leser immer den Eindruck hat, mitten im Geschehen zu stehen. Die Erzählung selber ist durchzogen von ungezwungenem Witz und feinsinnigen Einblicken in die menschliche Psyche ohne dabei ermüdend oder eintönig zu wirken. Am Ende hat man vielmehr das Gefühl, Emma und Dexter schon lange als enge Freunde zu kennen und man ist fast etwas wehmütig sich von ihnen auf der letzten Seite des Buches verabschieden zu müssen.
P.S.: Wem das Buch gefallen hat, der kann sich jetzt schon einmal auf den Kinofilm im November freuen.
Christine Wagner
Standort: Romane / Moderne Unterhaltung oder Englisch - 1. Obergeschoss