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Gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit - für Toleranz und Frieden in Europa

Vom 10. – 17. August 2003 trafen sich 30 Jugendliche aus Hasselt (Belgien), Savonlinna (Finnland), Saint-Omer (Frankreich), Kaunas (Litauen) und Detmold in der Jugendherberge in Detmold, um sich eine Woche lang mit den Themen Rassismus, Religionen, Ausländerfeindlichkeit, Toleranz und Zivilcourage zu befassen.
In Workshops, im Gespräch mit einer jungen Muslima aus Tunesien, bei dem Besuch einer Moschee und einer Diskussion mit dem Imam und türkischen Jugendlichen setzten sie sich mit diesen Problemen auseinander.
Das allgemeine Ziel dieser multilateralen Jugendbegegnung war die „Förderung der Toleranz, kennen lernen der Entwicklung und kulturellen Vielfalt der beteiligten Städte und Länder, sowie das Erkennen gemeinsamer Werte und eine positive Einstellung gegenüber Europa“.

Damit sich die Mädchen und Jungen im Alter von 15 – 20 Jahren aus fünf Ländern schnell kennen lernten, wurden sie auf spielerische Weise persönlich miteinander bekannt gemacht. Jede nationale Gruppe stellte ihre Stadt und die Besonderheiten in ihrem Land vor. So erfuhren die Jugendlichen, dass in Litauen und Finnland kaum dunkelhäutige Menschen leben.

Mit großem Interesse hörte die Gruppe einer jungen Tunesierin zu, die mit ihrer Familie in Detmold lebt. Überzeugend schilderte sie, warum sie sich bereits als 6-jähriges Kind entschieden hatte, das Kopftuch zu tragen, obwohl dies auch in ihrem Heimatland nicht obligatorisch ist. In der Diskussion stellte sich heraus, dass es in Finnland und Litauen kaum Islamisten gibt, während in Frankreich, Belgien und Deutschland sehr viele Moslems ihren Glauben praktizieren.

Vor dem Moscheebesuch waren alle Teilnehmer über die Riten informiert worden. Trotz der sommerlichen Hitze hatten alle ihre Beine und Arme mit Kleidung bedeckt, und ihre Schuhe ausgezogen. Ein deutsches Mädchen trug während des Moscheeaufenthaltes ein Kopftuch und veränderte damit ihren Typ.

Der Imam sang (in passender Bekleidung) die Liturgie des islamischen Gottesdienste, erläuterte die Gegenstände in der Moschee und antwortete geduldig auf die vielen Fragen. So erfuhren die Gäste, dass die 99 Perlen der Gebetskette ein Symbol für die 99 Namen Mohammeds sind und beim Beten als Zählhilfe benutzt werden.
Bei einem gemeinsamen türkischen Essen im Garten der Moschee, das von den Frauen liebevoll zubereitet worden war, diskutierten die Jugendlichen auch über Probleme türkischer Jugendlicher in Deutschland, z. B. ihr Gefühl der Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt nach der Schulausbildung. Jeder bemühte sich Kontakt herzustellen, sodass die Stimmung locker und angenehm war.

In einem Workshop wurden die Jugendlichen mit den unterschiedlichen Startchancen der Menschen auf dieser Welt durch Spiele und Gruppenarbeiten bekannt gemacht. Auch die Auswirkungen, wenn (Spiel-) Regeln festgelegt und von einzelnen zum persönlichen Vorteil und zu Lasten anderer (Spiel-) Teilnehmer geändert werden können, wurden dabei deutlich und auf das Zusammenleben in der Welt übertragen. Spontan wurden die gemachten Erfahrungen in Sketchen verarbeitet und mit großem Engagement eingeübt, um die Ergebnisse der Öffentlichkeit am Sonnabend auf dem Detmolder Marktplatz zu präsentieren.

Bei einem internationalen Kochen im Jugendzentrum „Domizil“ lernten die jungen Mädchen und Jungen die Ess-Kultur anderer europäischer Länder kennen. Jede nationale Gruppe bereitete ein typisches Gericht ihres Landes zu. Deutscher Kartoffelsalat, französische Käsetarte, litauische Cepelinai (Kartoffelklöße mit Hackfleischfüllung und Specksauce) und litauisches Brot und Bier, finnisches Puolukkapuuro (Preiselbeeren, Gries und Sahne) und belgische Pralinen und Spekulatius standen nebeneinander auf dem europäischen Buffet. Neugierig  wurden die unbekannten Speisen probiert. Dass in Deutschland soviel Mineralwasser mit Kohlensäure getrunken wird, konnten die Belgier und Franzosen nicht verstehen. Ihnen schmeckt Mineralwasser ohne „Sprudel“ viel besser.

Während der Arbeitspausen und insbesondere in den Nächten bildeten sich immer neue Kleingruppen, in denen sich die Jugendlichen über die verschiedenen Bildungssysteme, Berufschancen oder Lebensumstände in den fünf Ländern informierten. Da sie sieben Tage und Nächte fast immer zusammen waren, lernten sie sich persönlich und die kulturellen Unterschiede der Heimatländer sehr gut kennen. Aber auch die vielen Dinge, die überall gleich sind fanden sie heraus. Viele Freundschaften wurden geschlossen und die Kenntnisse über Europa und die dort lebenden Menschen mit ihren Kulturen erweitert. Dass die Jungen und Mädchen und ihre Teamer dabei auch noch viel Spaß miteinander hatten, wurde von allen immer wieder festgestellt.

Diese europäische Jugendbegegnung mit fünf Ländern wurde erstmals von der Stadt Detmold in Zusammenarbeit mit deren Partnerstädten Hasselt, Saint Omer, und Savonlinna und dem Kreis Lippe und der Partnerstadt Kaunas/Litauen sowie dem Hauptverband des Deutschen Jugendherbergswerkes organisiert.

Zur Vorbereitung der einwöchigen Begegnung im August, hatten sich mehrere Jugendliche und Teamer aus allen beteiligten Ländern an einem Wochenende im Juli in Detmold getroffen. Mit Fotos und Texten aus dem Aktionskoffer zum Thema „Rassismus“ wurde das Vorbereitungsseminar eröffnet. Jeder durfte sich ein Bild oder einen Spruch aussuchen und musste gegenüber der Gruppe darlegen, warum er diese Wahl getroffen hatte. So war das Eis schnell gebrochen und die Menschen, die sich bisher nicht kannten, waren sofort in der inhaltlichen Diskussion.

Während der Workshops wurde in multinationalen Gruppen gearbeitet. Es wurden immer wieder neue Kleingruppen gebildet, die ihre Ergebnisse anschließend im Plenum vortrugen. Bei etwa 40° im Schatten fand die Gruppenarbeit meistens im Freien statt.

In einem Europa-Quiz mussten Fragen zu europäischen Institutionen und zu den beteiligten Ländern und Städten beantwortet werden. Dabei stellte sich heraus, dass das Wissen der Jugendlichen hierüber insgesamt recht gut war.

Die Verständigung in der Begegnungswoche erfolgte in englisch. Da in keinem der teilnehmenden Länder englisch die Muttersprache ist, gab es keine Hemmungen auch mal Fehler zu machen, da niemand perfekt war.

Am Ende der Begegnungswoche konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Meinung zu der Jugendbegegnung in einem Fragebogen mitteilen. Sie wurde ausnahmslos mit dem Gesamturteil „sehr gut“ bewertet.

Ein ganz wesentlicher Grund für den Erfolg dieser ersten europäischen Jugendbegegnung mit fünf Ländern war, dass man über eine Woche gemeinsam in der Jugendherberge Tag und Nacht zusammen war. Gemischte Nationen auf den Zimmern und in den Arbeitsgruppen der Workshops, gemeinsame Aktivitäten in den Pausen und an den Abenden förderten die Kontakte und führten zu einer sehr guten Atmosphäre der gesamten Gruppe.

          

Was war wichtig? - Was ist hängen geblieben?

  • In Europa sind alle Menschen gleich – nur die Sprache ist eine andere. 
     
  • Die Begegnung von fünf europäischen Ländern war sehr gut, weil viele Unterschiede zu Gemeinsamkeiten führen und gesehen werden. Dass Litauen und Finnland als keine typischen Urlaubziele dabei waren, war vorteilhaft, da diese Länder mit ihrer Kultur kaum bekannt sind. Die Möglichkeit, mit Menschen aus mehreren Nationen in Kontakt zu kommen und mehr über verschiedene Kulturen zu hören und zu erleben, war eine wertvolle Erfahrung.
     
  • Es war toll – und viele der Jugendlichen möchten sich in Zukunft bei der Programmgestaltung einer Jugendbegegnung beteiligen.
     
  • Bei allen Jugendlichen besteht großes Interesse, sich im nächsten Jahr in einer der beteiligten Länder wieder zu sehen, um die neuen Kontakte zu vertiefen.
      

Das Fazit der Begegnung fassten die Jugendlichen so zusammen:

Unterschiede sind wunderbare Dinge, die wir alle gemeinsam haben
deutsch

La difference est cette chose merveilleuse, que nous avons tous en commun
französisch

Verscheidenheid is het mooie ding dat we allemaal gemeen hebben
flämisch

Difference is this wonderful thing that we all have in common
englisch

On vahvuus olla erilaisia
finnisch

Skirtumai tarp zmoniy yranuostabus dalykai, kuriuos mes visi kartu turime
litauisch

   
   
  
  

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Union finanziert. Der Inhalt dieses Projekts gibt nicht notwendigerweise den Standpunkt der Europäischen Union  oder der NA wieder und sie übernehmen dafür keinerlei Haftung.